Ich höre es ständig, dieses Geräusch, das klingt, als feuerte ein Kind eine fiktive Laserkanone ab: “Didiu”. Ich höre es auch, wenn ich nicht am Computer sitze.
Um dieses Geräusch geht es in dem Browsergame, das ich seit einigen Wochen spiele. Mein Verhältnis zu dem Spiel lässt sich leider nur noch mit dem Begriff Abhängigkeit beschreiben.
Bubble Shooter besteht aus einem rechteckigen Spielfeld, das so groß ist wie eine Hand mit Gespreizten Fingern. An der Decke hängen Ballons in sechs verschiedenen Farben, ihre Verteilung ist zufällig. Unten in der Mitte sitzt eine Kanone, die ebenfalls mit einem Ballon geladen ist. Der Spieler kann den Winkel bestimmen, um das Geschoss an eine Stelle zu bugsieren, wo andere Ballons derselben Farbe hängen. Sobald sich mindestens drei gleichfarbige berühren platzen sie: “Didiu”.
Das Spielprinzip ist so unterkomplex – man muss nur reagieren – dass man bald nicht mehr von dem Zeitvertreib lassen kann. Ähnlich wie bei Tetris stellt sich nach der Übungsphase ein Automatismus ein, man überlegt nicht mehr wo der Stein hin muss, man weiß es, weil man das System verinnerlicht hat.
Schnell hat man das Gefühl, jede andere Aufgabe übersteige die Fähigkeit seines selektiv trainierten Gehirns. Arbeit bleibt liegen, weil man die bunten Kugeln dezimieren muss, bevor sie über die untere Spielfeldlinie wachsen und eine weitere Runde an den Computer geht (was früher oder später sowieso passiert).
Hat man doch mal mit einer Tätigkeit begonnen, die vom Chef erwartet wird, ist man bei der kleinsten Hürde wieder abgelenkt. Es braucht nur einen Satz, der sich nicht auf Anhieb formulieren lässt, schon hat der Mauszeiger „Bubble Shoot“ gewählt, das nur pro forma von einem Word-Dokument oder einer Tabellenkalkulation verdeckt wird. Eine ständige Versuchung.
Wie schnell uns einfach zugängliche Spiele in ihren Bann schlagen sah man kürzlich, als Google auf seiner Startseite zu einem Match „Pac Man“ lud. Nach Schätzungen des Zeitoptimierungs-Dienstleisters “Rescue Time” verbrachten User aus aller Welt 4.819.352 Stunden mit dem Spiel. Sie errechneten einen wirtschaftlichen Gesamtschaden von 120.483.800 Dollar.
Banker dürfte die Nachricht beruhigt haben. Sie wissen jetzt, dass sie nicht die einzigen sind, die in kürzester Zeit große Werte vernichten können. Auch “Pac Man” und bunte Ballons schaffen es, Geld in Luft aufzulösen. “Didiu”.
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